Hemmingen

Deveser Feuchtwiesen

 

Südlich des Hemminger Ortsteiles Devese blieb innerhalb der weitgehend ausgeräumten und landwirtschaftlich intensiv genutzten Börde ein kleinstrukturierter Landschaftsbereich mit feuchten Wiesen, mehreren Tümpeln und Teichen, mit Hecken und kleinen naturnahen Waldstücken erhalten. Knapp vier Hektar davon sind seit mehr als 20 Jahren Pachtgebiet des NABU-HVV.

 

Foto: I. Scherber

 

Wir haben ein zweites größeres  Amphibiengewässer angelegt und damit bessere Lebensbedingungen für die dort vorkommenden  Erdkröten, Gras- und Teichfrösche, Berg-, Teich- und Kammmolche geschaffen, die im Frühling während der Fortpflanzung die Gewässer bevölkern. Den Rest des Jahres verbringen die meisten Amphibien auf den umliegenden feuchten Wiesen, in den Hecken und Wäldern, die sie hier gefahrlos erreichen können, ohne eine Straße überqueren zu müssen.

 

Die Wiesen werden weder gedüngt noch gespritzt sondern nur einmal jährlich gemäht. Auf Grund der schonenden Pflege haben sich Kuckuckslichtnelke, Wiesenschaumkraut, Scharfer Hahnenfuß, Wassergreiskraut und andere Wiesenblumen wieder ausgebreitet und bieten Hummeln, Bienen und Schmetterlingen Nahrung.

 

 Wir haben aus heimischen Wildsträuchern Hecken gepflanzt, in denen Nachtigallen, Gelbspötter und  andere heckenbewohnende Vögel brüten, so auch seit Jahren der Neuntöter.

 

Erfreulicherweise wurden angrenzend an unsere Pachtfläche privat drei Hektar Wald und Weide für den Naturschutz angekauft und zwei Hektar als Ersatzmaßnahme für die zur Zeit im Bau befindliche Umgehungsstraße (B 3 neu) erworben und gestaltet. Dort wurden nochmals drei  Amphibiengewässer angelegt und breite Hecken gepflanzt.

 

Insgesamt konnten damit ca. neun Hektar für den Naturschutz gesichert werden. Die geplante Vernetzung mit dem Bürgerholz, einem naturnahen Laubmischwald, durch einen breiten Gehölzstreifen  ist eine weitere  Ersatzmaßnahme für die neue Umgehungsstraße

 

Ansprechpartnerin: I. Scherber, (Vereinsadresse)

 

 

Der Steinfeldsee im

NSG „Alte Leine“

 

 

Die zeitliche Entwicklung

 

Seit dem Jahr 2001 betreuen Hemminger Mitglieder des NABU-HVV im Auftrag der Region Hannover den Steinfeldsee im NSG „Alte Leine“.

Die Stadt Hemmingen hat das Kiesabbaugebiet 1996

Foto: S. Lange                                                                                        mit Landesmitteln für den Naturschutz gekauft.

                                                                                  1999 stellte die damalige  Bezirksregierung  den

See unter Schutz und  integrierte ihn in  das Naturschutzgebiet „Alte Leine“, denn schon bald nach Beendigung des Kiesabbaus hatte sich das  Gewässer zu einem wertwollen Rastplatz für durchziehende und überwinternde Vögel entwickelt. Gänse, Enten, Säger, darunter auch immer wieder seltene Arten, rasten in großer Zahl im Winter und während der Zugzeit auf dem Steinfeldsee.  Nach den Kriterien der Staatlichen Vogelschutzwarte ist er daher  ein „Gastvogellebensraum von landesweiter Bedeutung“.

 

Der Steinfeldsee ist seit seiner Unterschutzstellung  das einzige Gewässer in Hemmingen, das keiner menschlichen Nutzung unterliegt, sondern ausschließlich dem Naturschutz dient.

 

Im Jahr 2000 führte  der NABU-HVV mit finanzieller Unterstützung durch die Stadt Hemmingen größere Biotopgestaltungsmaßnahmen in mehreren Uferbereichen durch: Es wurden nachträglich Buchten, Halbinseln und Flachwasserzonen gestaltet. Hier entwickelten  sich Schilfbereiche und damit  Lebensraum nicht nur für Amphibien, Fische und Wasserinsekten, sondern vor allem  auch  für  Vogelarten, die unbedingt Röhricht benötigen, wie  Rohrammer und Teichrohrsänger. Seit 10 Jahren überwintern regelmäßig eine, in manchen Jahren auch  zwei Große Rohrdommeln im Schilf des Steinfeldsees.

 

2010 wurden durch den NABU-HVV zusätzlich zwei Amphibiengewässer im Steinfeldbereich angelegt.

 

 

Neue Maßnahmen zur Biotoperhaltung und -verbesserung

 

Inzwischen waren  die Bäume im Uferbereich so groß geworden, dass sie das Schilf allmählich beschatteten  und es dadurch zu verdrängen drohten. Wir haben daher im Herbst 2015 Ufergehölze wie Weiden und Pappeln  nach Abstimmung mit der Region Hannover angesägt  und mit den Kronen voran ins Wasser geworfen. Die Stadt Hemmingen hat diese Pflegemaßnahme weitgehend bezahlt, wofür wir uns noch einmal bedanken möchten. Es entstanden auf diese Weise nicht nur ein strukturreicheres Ufer, sondern auch Ruheplätze für Grau- und Silberreicher, Kormorane und Enten sowie ideale Ansitzwarten für Eisvögel und Habicht. Selbst ein Seeadler nutzt inzwischen die im Wasser liegenden Baumstämme, um nach Beute Ausschau zu halten.

 

Einige Bereiche am See werden seit drei Jahren von einer kleinen Skuddenherde, einer alten und sehr anspruchslosen Schafrasse, so weit von Büschen und Bäumen freigehalten, dass eine halboffene Landschaft mit einzelnen Dornenbüschen entstand, ein idealer Lebensraum für die beiden Neuntöterpaare, die sich inzwischen  dort angesiedelt haben. Auch Grau- und Grünspechte und zuweilen auch der Wendehals nutzen die durch Schafbeweidung kurzrasigen Flächen zur Nahrungssuche.

 

 

Vögel beobachten und bei der Betreuung mithelfen

 

Von der Beobachtungshütte aus lassen sich die Vögel mit etwas Glück und Geduld beobachten, ohne dass sie dadurch gestört werden.  Besondere Beobachtungen bitte bei ornitho.de eintragen oder direkt Inge Scherber mitteilen. Die Entwicklung eines Gebietes lässt sich auch an Hand des Vorkommens von Brut- und Gastvögeln beurteilen. Dazu müssen die Beobachtungen aber gemeldet und archiviert werden.

 

Ansprechpartnerin: I. Scherber. (Vereinsadresse)

 

 

Amphibienschutzzaun und Ersatz-maßnahmen für die

B 3 neu in Hemmingen

 

Ehrenamtlicher Einsatz

 

Seit 2004 betreuen NABU Mitglieder und engagierte Naturschützer zwischen den Hemminger Ortsteilen Devese und Hiddestorf an der Kreisstraße 225 einen 1.000 m langen Amphibienschutzzaun.

 

Foto: I. Scherber

 

Die Landlebensräume der Amphibien liegen im Bürgerholz und im Deveser Holz, westlich der K 225, die Laichgewässer jedoch östlich dieser Straße. Daher müssen die zum Laichen wandernden Amphibien die Kreisstraße überqueren. Seit 2004  wurden von uns annähernd 30.000 Erdkröten, Grasfrösche  und Molche sicher über die Straße  zu ihren Laichgewässern gebracht.

 

Das Aufstellen des Schutzzaunes und das Eingraben der Fangeimer übernimmt dankenswerterweise seit  2012 ehrenamtlich die Firma ENVIPRO aus Pattensen.

 

 

B 3 neu und Ersatzmaßnahmen

 

Parallel zur  K 225 wird zur Zeit eine vierspurige Umgehungsstraße (B 3 neu) gebaut. Sie soll 2019 fertiggestellt werden. Gleichzeitig wird die jetzige K 225  zu einem 3 m breiten Feldweg zurückgebaut. Da wir auf Grund der Fangergebnisse nachweisen konnten, dass im Bereich der Neubaustrecke nicht nur eine sehr große Erdkrötenpopulation von etwa 3.000 bis 4.000 Tieren lebt, sondern neben  Berg- und Teichmolchen auch die nach EU-Recht streng geschützten Kammmolche vorkommen, wird die neue Bundesstraße mit 5 Amphibiendurchlässen ausgestatten. Zusätzlich wurden als Ersatzmaßnahme vor wenigen Wochen drei Laichgewässer im Landlebensraum der Amphibien angelegt, die nun bis zur Fertigstellung der B 3 neu von den Amphibien besiedelt werden können.

 

Falls alles nach Plan verläuft, haben wir 2019 unser Ziel, die in diesem Raum lebenden Amphibienpopulationen zu erhalten, erreicht. Das aufwändige Aufstellen und Abbauen des Schutzzaunes und die Betreuung der Fangeimer entfallen dann. Wir können unsere begrenzten Kräfte anschließend für neue Themen im Natur- und Vogelschutz einsetzen.

 

 

 

Ansprechpartnerin: I. Scherber