Erhaltung und Gestaltung von Lebensräumen für Tiere und Pflanzen

Wie alles anfing

Bruchwald
Bruchwald.

Auslöser war Anfang der 1980er Jahre der geplante Bau einer Erdgasleitung. Zur Bearbeitung des Planfeststellungsverfahrens musste das Gebiet aufgesucht werden. Wir waren sofort begeistert von der Vielfalt der Lebensräume und der Vogelwelt und verfassten eine engagierte Stellungnahme. Das Ergasunternehmen musste als Ausgleichsmaßnahme eine Schilffläche kaufen und dem Naturschutz zur Verfügung stellen. Der HVV erkannte die Entwicklungschancen aber auch die drohenden Gefahren für das Gebiet und beschloss, dort ebenfalls Flächen zu erwerben und zu betreuen.

Lage und Nutzung des Gebietes

Wiesenralle
Wiesenralle Crex crex.

Am Südwestrand des Hämeler Waldes liegt in etwa fünf Kilometer Entfernung von den Dörfern Immensen und Dolgen ein etwa 100 Hektar großer Feuchtwiesenkomplex (Flurbezeichnungen Sohrwiesen, Haimarer Grenzwiesen, Hasselberg) mit eingestreuten Schilfflächen, Brachen, feuchten Laubwäldern. Durch die abgeschiedene Lage, die schwierige Entwässerung und den dadurch hohen Grundwasserstand sowie die starke Splitterung des Grundbesitzes konnte sich hier trotz des starken Strukturwandels in der Landwirtschaft ein Rest naturnaher Kulturlandschaft halten. In den 1980er Jahren traten allerdings Bestrebungen auf, über eine stärkere Entwässerung auch hier Wiesen umzubrechen oder zumindest trocken zu legen, Düngung und Herbizideinsatz wurden verstärkt, die Wiesen früh und mehrfach gemäht, Gräben wurden geräumt, Wege befestigt, Fischteiche gebaggert und intensiv genutzt und Pappelkulturen angelegt.

Zeitlicher Ablauf

Bereits 1982 erkannte der HVV den Wert des Gebietes und stellte einen Antrag auf Ausweisung als Landschaftsschutzgebiet. 1988 wurden die ersten Parzellen vom HVV gekauft und 1989 dem Landkreis, der Stadt Lehrte, der Gemeinde Sehnde und der Öffentlichkeit ein Konzept für eine größere Aktion vorgestellt. Die Zustimmung motivierte und machte Mut, gezielt den Kauf einer größeren, arrondierten Fläche anzugehen. 1990 erstellte die Gemeinde Sehnde ein mit dem HVV abgestimmtes Entwicklungskonzept, der Landkreis informierte über die Absicht, beim Ausbau der Autobahn erforderliche Ersatzmaßnahmen z.T. in den Sohrwiesen umzusetzen. Mit der LSG-Verordnung von 1992 (LSG-H 59 "Sohrwiesen") wurden ca. 520 Hektar mit der Kernzone Sohrwiesen unter Schutz gestellt, weite für das Schutzkonzept wichtige Bereiche zudem mit einem Umbruchsverbot für Grünland belegt.

Bis 1994 kauften die vier Partner viele der erforderlichen und verfügbaren Flächen auf. 1997 wurden die Gestaltungsmaßnahmen auf den Flächen des Landkreises umgesetzt. In den Jahren 2006 und 2007 konnten weitere 3,5 Hektar Feuchtwiesen und Schilfbrachen angekauft werden.

Ziele des Projekts, Pflege- und Gestaltungsmaßnahmen

Die Ziele des Projekts sind vorrangig die Erhaltung, Wiedervernässung und extensive Bewirtschaftung von Feuchtgrünland. Dazu ist der arrondierte Ankauf größerer Flächen erforderlich. Feuchtgrünland ist nach 1945 durch Flurbereinigungen und Entwässerungen um über 50 Prozent geschrumpft. Dadurch gingen Brut- und Rastplätze für spezialisierte Tier- und Pflanzenarten verloren. Viele Arten mussten in die Roten Listen aufgenommen werden. In den Sohrwiesen hat jetzt der Naturschutz Priorität. Der Zeitpunkt und die Form der Nutzung wird jedes Jahr neu festgelegt. Sehr feuchte Wiesenbereiche bleiben auch ungenutzt.

Fleißige Helfer
Viele fleißige Helfer.

Weitere Ziele sind die Vergrößerung der Strukturvielfalt. Dazu wurden Pflege- und Gestaltungsmaßnahmen mit der Unteren Naturschutzbehörde und den Kommunen Lehrte und Sehnde abgestimmt. Die Verbuschung von Schilfflächen sowie die Verbreitung von Hybridpappeln haben wir bei Arbeitseinsätzen mit Säge und Astschere aufgehalten. Eine trockene Parzelle mit wertvollen Pflanzen der Rote Liste wird jährlich freigemäht. Überflüssige Stacheldrahtzäune wurden entfernt, die Zaunpfosten blieben als Sing- und Ansitzwarten im Gelände. Eine Hecke aus Schwarz- und Weißdorn wurde gepflanzt und gepflegt. Mehrere Kleingewässer wurden angelegt und Teilbereiche von Wiesen und ein Erlenwald feucht gehalten. Bei den Arbeitseinsätzen trafen sich viele Helfer, die das Frühstück zum Klönen und zum Erfahrungsaustausch nutzten.

Größere Gestaltungsmaßnahmen wurden 1997 durch den Landkreis auf einer etwa 30.000 Quadratmeter großen ehemaligen Ackerfläche durchgeführt. Hier ist ein stark strukturiertes Feuchtgebiet entstanden, welches das Gebiet besonders als Lebensraum für Wasser- und Watvögel sowie Lurche und als Nahrungshabitat des Weißstorches aufgewertet hat. Ein steilufriger und eingewachsener ehemaliger Fischteich wurde zu einem natürlich wirkenden Gewässer umgestaltet. Mit dem Projekt leisten wir auch einen Beitrag zum Umweltschutz. Die Belastung des Grundwassers durch Düngemittel und Pestizide wird verhindert (30 Prozent des Grundwassers sind bereits durch Rückstände u.a. von Lindan und Atrazin belastet). Durch die Wasserrückhaltung wird das Grundwasser angereichert.

Fauna und Flora

Sumpfdotterblume
Sumpfdotterblume Caltha palustris

Im Projektgebiet wurde nicht nur die Vogelwelt erfasst (der HVV versteht sich als Naturschutzverein!). Eine Kartierung der 20 Kleingewässer ergab größere Vorkommen der Erdkröte und des Grasfrosches, außerdem quaken und leben dort Wasserfrösche sowie 3 Molcharten. Ab 2006 haben wir durch den Einsatz von Uwe Manzke (siehe www.laubfrosch-hannover.de) mit der Wiederansiedlung des Laubfrosches in den Sohrwiesen begonnen. Durch Untersuchungen wissen wir, dass Rote-Liste-Arten wie Heilziest, Großer Wiesenknopf, Wiesen-Silau, Gelbe Wiesenraute und die Wiesen-Schlüsselblume auf unseren Flächen wachsen. Unerforscht blieben bisher die Schmetterlinge und andere Insekten.

Finanzierung

Ohne Moos nichts los. Dieser flapsige Spruch gilt auch hier. Deshalb investierte der HVV bisher für etwa 204.000 Quadratmeter Eigentum (20,4 Hektar, Stand Dezember 2009) etwa 165.000 Euro. Eine Riesensumme für eine NABU-Gruppe. Wie kamen die Gelder zusammen? Der HVV hatte für derartige Vorhaben Geld aus Mitgliedsbeiträgen angespart. Das Projekt löste einen starken Spendenfluss aus. Eine Erbschaft, Bußgelder, Zuschüsse von Banken sowie den beiden Kommunen Lehrte und Sehnde füllten unsere Kasse auf.

Zukünftige Aufgaben

Sumpfohreule
Ein seltener Gast, die Sumpfohreule Asio flammeus.

Das Projekt ist kein Selbstgänger. Die Akzeptanz bei den Mitgliedern des HVV, den Politikern, Verwaltungen, Naturschutzbehörden, Bürgern, Landwirten und Jägern muss immer wieder neu durch Informationen angestrebt werden. Dabei wollen wir keiner fachlichen Diskussion aus dem Weg gehen. Die Bemühungen um eine Arrondierung und Vernetzung der Flächen in den Auebereich müssen mit Ausdauer und Verhandlungsgeschick fortgesetzt werden. Für eine Erfolgskontrolle sind auch zukünftig Kartierungen der Flora und Fauna erforderlich. Für die Pflege der Wiesen und für Arbeitseinsätze werden Partner und Helfer gesucht. Die Fülle der Aufgaben kann nur durch ein starkes Team bewältigt werden, in dem weitere Aktive herzlich willkommen sind!

Dank

Unser Dank geht an die Politiker und Mitarbeiter der Verwaltungen des Landkreises Hannover, der Gemeinde Sehnde und der Stadt Lehrte für eigene Initiativen und die Unterstützung und finanzielle Förderung des HVV-Projektes. Den Landwirten und Jägern danken wir für eine weitgehend gute bis konstruktiv kritische Zusammenarbeit. Dem Unterhaltungsverband "Untere Fuhse" für die Genehmigung zu ersten kleinen Schritten an der Aue. Allen bisherigen Spendern wird gedankt und gleichzeitig versichert: Ihre Spende ist im "Projekt Sohrwiesen" sehr gut angelegt. Den aktiven Mitgliedern und Nichtmitgliedern ein "Danke Freunde" für die vielen in den Sohrwiesen verbrachten Stunden beim Arbeitseinsatz oder Kartieren.

Zusammenfassung und Ausblick

Beutelmeise beim Nestbau
Beutelmeise Remiz pendulinus beim Nestbau.

Im Projektgebiet Sohrwiesen ist der Hannoversche Vogelschutzverein e.V. (HVV) ab den 1980er Jahren aktiv. Es wurden Flächen angepachtet und später aufgekauft. Dazu wurden auch der Landkreis Hannover sowie die Kommunen Lehrte und Sehnde motiviert. Bis 2009 konnten gemeinsam rund 50 Hektar arrondierte Feuchtwiesen, Brachen, Wasserflächen und feuchte Laubwälder angekauft, gestaltet und extensiv bewirtschaftet werden. Dadurch sollen Lebensräume für viele Tier- und Pflanzenarten erhalten und neu geschaffen werden. Der Projektraum soll langfristig mit der Aueniederung, dem NSG "Hahnenkamp" und den Feuchtgebieten Zuckerfabriksteiche und NSG "Im Himmelreich" sowie den Herzbruchwiesen vernetzt werden. Das Gebiet und die weitere Umgebung wurden 1992 auf Initiative des HVV als Landschaftsschutzgebiet (LSG H-59) ausgewiesen. 2006 wurde das FFH-Gebiet Nr. 346 "Hämelerwald" ausgewiesen (Europäisches Schutzgebiet nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie), zu dem auch große Teile des Projektgebietes gehören. Mit diesem Beitrag soll ein Zwischenbericht erstellt und zu weiteren Anstrengungen zur Erreichung eines hochgesteckten Zieles aufgerufen werden.

Dieter Wendt



Diese Seite wurde aktualisiert im Januar 2010.
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